Dieser Bericht wird ungewöhnlich reich bebildert, weil es mit die letzten Bilder der Bahn vor der Zerstörung Ende Juli 2008 sein werden. Über die Juli-Katastrophe habe ich ein Bericht für den Lok Report verfasst, der hier als pdf-Dokument (337 kB) herunterzuladen ist. Die volle Auflösung der Bilder und damit das ganze Grauen kann man allerdings nur erahnen, wenn man im nächsten Bahnhofsbuchhandel den LOK Report 9/2008 käuflich erwirbt. Der darin enthaltene Spendenaufruf ist nach wie vor hoch aktuell (FarRail Tours hat selbstverständlich bereits gespendet). Ebenfalls wichtig sind Schreiben and die Botschaft Rumäniens, dass man sich für den Wiederaufbau der Bahn und gegen eine umweltzerstörenden Straße ausspricht. Weitere Informationen hierzu finden Sie im zweiten Teil des Reiseberichtes.
Wir haben bei dieser Reise großen Wert auf das ganze Drumherum gelegt. Es ging nicht so sehr um noch mehr Bilder von der Bahn, sondern vielmehr darum, die ganze Holzverarbeitungskette vom Baumstamm im Wald bis zum fertigen Brett oder Balken zu verfolgen.
Sollte es jemals wieder möglich sein, dampfbespannte Sonderzüge auf der Waldbahn von Viseu de Sus anzubieten, werden wir versuchen, eine ähnliche Fahrt zu wiederholen.


Wegen des ungewöhnlichen Umfanges des Berichtes wird er in mehrere Teile gegliedert und in den nächsten Wochen Stück für Stück veröffentlicht. Den Text verfasste Jörg M. Seifert, die Bilder habe ich beigesteuert, sofern nicht andere Autoren genannt sind.
Bernd Seiler
Transsilvanien, ein Name der die Fantasie beflügelt. Intuitiv denkt man an endlose dunkle Wälder, Wölfe, Bären, an Vampire und an Graf Dracula. Bis auf Dracula ist alles dort zu finden - und viel mehr.
Eingerahmt von den Bergen des Maramureser Gebirges und dem Tiblesu Gebirges liegt das Viseu Tal (Wassertal). Das Flüsschen Valea Vaser plätschert von Wiesen und immer auch von dunklem Wald gesäumt Richtung Viseu des Sus. Desto weiter man von Viseu in die Berge vordringt, desto weiter entfernt man sich von dem lauten Mahlwerk unserer globalisierten Welt. Immer tiefer taucht man in eine Leben ein, dessen Rhythmus von Natur und Jahreszeiten bestimmt wird.
Ein Biotop zehn Meter neben der Bahn (dieser Tümpel dient auch als Kesselspeisewasser)

Während die Männer oft für eine ganze Woche in den Wald ziehen, oder den schmalen Acker bestellen, weben Frauen mit stolzem Blick selbstgeschorene Wolle oder machen Butter aus der Milch die sie morgens gemolken haben. Unberührt von den Errungenschaften der "Europäischer Union" bestreiten die Menschen hier unter widrigsten Bedingungen ihr Leben.
... bestreiten die Menschen hier unter widrigsten Bedingungen ihr Leben

Hinter Valea Scradei endet das, was noch als Straße gelten kann. Ab hier beansprucht die Vaser das Tal für sich. Doch drei Meter hat man dem Fluss abgerungen. Das ist der Platz, den die letzte noch verkehrende Waldbahn Rumäniens beansprucht, die hier seit 1932 für den Abtransport des geschlagenen Holzes aus den umliegenden Wäldern ihren Dienst tut. Holzwirtschaft war schon immer die Haupteinnahmequelle für die Menschen im Tal. Sie schuften von Montag bis Sonnabend und seit einiger Zeit auch im Akkord. Zu Wohlstand haben sie es nie gebracht.
Der Zug in die Wälder schlingert klappernd über das Gleisbett, welches durch Regenfälle und harte Winter schwer mitgenommen ist. Vorsichtig und mit selten mehr als 10 Km/h fährt der Lokomotivführer seinen Zug durch das Tal. Doch fast täglich gibt es Entgleisungen und Schäden.
EIne Eingleisung eines beladenen Holzwagens:






Talwärts ist es noch schwieriger, denn der tonnenschwere Zug wird nur von der Lokomotive und wenigen handbedienten „Trucks“ gebremst. Es helfen nur wenige Bremser die auf den stählernen Schemelwagen mit viel Geschick, während der Fahrt von Wagen zu Wagen rennend, mit den Handbremsen die Geschwindigkeit reduzieren müssen. Es gab bisher nur wenige Tote beim Holztransport, aber alle sind froh, wenn ein Holzzug ohne Unglück wieder im Sägewerk eingetroffen ist.
Auf Talfahrt

Hier werden die Stämme geschnitten und für den Transport auf LKWs verladen. Mit dem Schiff gelangt das Holz dann bis nach Saudi Arabien und China.
Das diese Bahn in dieser Form heute noch existiert ist kein Zufall. Es ist die engagierte Arbeit von Michael Schneeberger, der in Zusammenarbeit mit der RG Holz Company Lokomotiven und Wagen rumänischer Waldbahnen sowie die Anlagen der Waldbahn Viseu de Sus für die Nachwelt erhalten konnte. Es ist ihm ebenfalls gelungen, diese Bahn in Verbindung mit der einzigartigen Landschaft über die Grenzen Europas bekannt zu machen. Bis zu zwei Touristenzüge täglich sind in der Saison fester Bestandteil des Betriebsgeschehens aber auch existenziell für den Erhalt der Dampflokomotiven und die Erweiterung und Restaurierung des Wagenparks der für Touristenzüge genutzt wird. Der Tourismus ist auch ein wichtiger Faktor für die Stadt Viseu de Sus.
Im unmittelbaren Umfeld des Waldbahndepots finden sich viele einfache aber saubere Pensionen, die Unterkünfte ab 15 € anbieten. Selbstverständlich reicht man hier nur Speisen der lokalen rumänischen Küche. Das Frühstück beschränkt sich auf Wurst, Käse, Eier, Weißbrot und Kaffe bzw. Tee. Ähnlich wie das Mittagessen besteht das Abendessen meist aus Suppen und einem Gang Fleisch und einer süßen Nachspeise. Allerorten wird der selbstgebrannte Pflaumenbranntwein Tuica gereicht (Vorsicht, kann auch mehr als 50 Vol-% haben).
An sechs Tagen im Juni gelang es uns alle vier betriebsfähigen Dampflokomotiven vor authentischen Zügen auf die Strecke zu bringen. Doch auf das Ablichten von Dampfzügen war diese Reise nicht beschränkt. Zentrales Anliegen war es, den Weg des Holzes, vom Schlagen bis zum Sägewerk zu verfolgen und die Arbeitsbedingungen und Abläufe darzustellen, wie es sie seit vielen Jahren nicht mehr gibt.
Der Weg des Holzes, vom Einschlag ...

... bis zum Sägewerk

Drei Flüge und eine Busfahrt über eine Straße, die man in Westeuropa wohl als katastrophal bezeichnen würde, brachten uns nach Viseu de Sus.
Der Bericht von Jörg M. Seifert findet sich in voller Länge auf seiner eigenen Seite: http://www.intertourist.de/Travel/romania2008.html
Teil 2 finden Sie hier: Die Flutkatastrophe von Viseu de Sus
Fortsetzung folgt
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