Großartiger Dampf in Bulgarien: 1’F2’ und BR 42

Bulgarien 25.03. – 2.04.2017

Dampf in Bulgarien

Bulgarien hat faszinierende Landschaften und ebensolche Dampflokomotiven. Vor nicht allzu langer Zeit sind zwei Maschinen aufgearbeitet worden, die die Entscheidung trotz aller Widrigkeiten eine Charterzugfahrt nach Bulgarien anzubieten, entscheidend beeinflusst haben. Es ist einerseits eine Maschine der DR-Baureihe 42, die 16.27 und andererseits aber ganz besonders die 1’F2’ 46.03, eine Maschine, für die sich nichts Vergleichbares in Europa findet, eine Lok der Superlative. Dazu werden wir die Schmalspurbahn Septemvri – Dobriniste mit im Programm haben.

Wir haben die mündliche Zusage, dass wir einen älteren Personenwagen zu den Güterzügen nehmen können, genau so, wie es in den 1960er und 1970er Jahren bei Nahgüterzügen oft der Fall gewesen ist.

Dampf in Bulgarien

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Reiseplan

Datum

Reiseprogramm

25.03.

Flug nach Sofia, Charterbus zu unserem Hotel in Plewen

26.03.

Gegen 9 Uhr werden wir mit unserem Charterbus nach Lewski fahren (ca. 50 km). In Lewski findet sich eine 1’D-Denkmallokomotive der Reihe 17. Interessanter wird aber unser Sonderzug, ein Güterzug, bespannt mit der Reihe 16. Wir befahren die Strecke Lewski – Oresh – Svishtov (Hafen) Tender voran und werden dann in Svishtov unter den Stückgutkränen des Donauhafens rangieren. Am Nachmittag fahren wir mit vielen Fotohalten zurück nach Lewski. Abends Nachtaufnahmen im Depot Lewski. Charterbus zurück zu unserem Hotel in Plewen.

27.03.

Gegen 5.45 Uhr fahren wir mit unserem Charterbus erneut nach Lewski, von wo sich unser Chartergüterzug mit der 1’E 16.27 kurz vor Sonnenaufgang nach Trojan in Bewegung setzen wird. Trojan werden wir am frühen Nachmittag erreichen. Mit unserem Charterbus fahren wir von dort ca. drei Stunden zum Grand Hotel Heber in Pazardshik

28.03.

Am Morgen fahren wir mit unsrem Charterbus nach Septemvri (ca. 20 km), wo wir kurz vor Sonnenaufgang mit unserem Dampfzug mit 60976 losfahren werden. Wir werden das erste Streckenstück mit dem Bus zurücklegen, erst in Dolene steigen wir in den Zug um. Wir fahren bis Tsvetino und rollen dann nach Velingrad zurück, wo sich unser Hotel befindet. Ankunft ca. 20 Uhr

29.03.

Vor Sonnenaufgang geht es mit unserem Dampfcharterzug von Velingrad weiter. Zwischen Tsvetino und Avramovo (1.276 m über dem Meer) wird uns eine Diesellok durch die Serpentinen und den Kehrtunnel bringen. Fotografisch verpasst man hier wenig, weil die Strecke überwiegend in dichtem Wald verläuft. Danach geht es bergab weiter mit der Dampflokomotive. Dobrinishte erreichen wir gegen 19 Uhr. Danach fahren wir noch ein gutes Stück mit dem Bus bis nach Pernik, das wir erst am späten Abend erreichen werden.

30.03.

Nach einer kurzen Nacht fahren wir mit unserem Charterbus von Pernik nach Radomir, wo uns eine der beeindruckendsten Dampflokomotiven, die derzeit in Europa betriebsfähig sind, begegnen wird: die 1’F2’ 46.03. Mit einem Güterzug fahren wir nach Kjustendil. Hinter Zemen ist die Strecke sehr sehenswert, allerdings durch die vielen Büsche nicht einfach zu fotografieren. Ankunft gegen 19.30 Uhr, Hotel in Kjustendil

31.03.

Am frühen Morgen geht es weiter von Kjustendil nach Gjueshevo. Wir werden in den S-Kurven hinter Kjustendil den Sonnenaufgang fotografisch umsetzen und hoffen, dass das Wetter mitspielt. Danach ist die Strecke überwiegend völlig zugewachsen und erst vor Gjushevo, das wir noch vor Mittag erreichen wollen, gibt es wieder eine Reihe von offenen Stellen.

Mit unserem Charterbus fahren wir zu einem Hotel in Dragoman oder Sofia.

01.04.

Am frühen Morgen geht es mit unserem Charterbus an die Industriebahn Kalotina – Stanintzi, die eine Mine bedient. Über Nacht haben wir die 1’F2’ hierher bringen lassen. Mit einem Chartergüterzug wird sie die steil ansteigende Strecke bezwingen. Da man in Stanintzi nicht drehen kann, wird unsere Lok Tender voran zurück rollen.

Am Abend kehren wir mit unserem Charterbus nach Sofia zurück. Hotel in Sofia.

02.04.

Rückflug von Sofia

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Streckenbeschreibungen

Die ausgewählten Strecken sind mit Ausnahme der Schmalspurbahn von Septemvri nicht die Standardstrecken, die fast jeder Sonderzug in Bulgarien abklappert. Überall besteht das Problem, dass Strecken massiv verbuscht sind, eine Handsäge zur Bereinigung der Fotostellen gehört daher zur Grundausstattung.

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Levski

Von Levski (Lewski) gehen zwei Stichstrecken ab, eine nach Norden nach Svishtov (Swischtow) und zum Atomkraftwerk, das nie ans Netz gehen wird, die andere nach Süden nach Trojan. Die Strecke nach Svishtov führt durch flaches und leicht hügeliges Land. Das Highlight ist der Donauhafen, wo noch Stückgutkräne anzutreffen sind. Wir werden an diesen Kränen rangieren können und so eine bald aussterbende Kulisse als Hintergrund haben. Da die Drehfahrt im Kernkraftwerk nicht genehmigungsfähig ist werden wir Tender voran hinfahren und Schornstein voran zurückkehren. Dabei bieten sich auch auf der Strecke einige nette Motive abseits von Schluchten und Viadukten. Aber die Dampfeisenbahn fuhr eben nicht nur permanent durch Hochgebirge.

Die Strecke nach Süden führt ins Bergland, hier sind Bäume aber ein ernst zu nehmendes Fotohemmnis. Dies gilt für alle Strecken: die profilnahe Vegetation entlang bulgarischer Eisenbahnstrecken verhindert viele mögliche Fotopunkte. An sich sehr schöne Strecken ermöglichen damit teilweise nur wenige gute Aufnahmen. Aber wir werden auf diesen beiden Bahnlinien Aufnahmen machen können, die man so ähnlich auch 1980 hätte machen können, als es noch Dampflokomotiven im Plandienst zu bewundern gab.

Diese beiden Strecken befahren wir mit der Reihe 16, also der DR-Baureihe 42. Wir werden einen Güterzug fahren.

Rhodopenbahn

Südosteuropa hatte einst ausgedehnte Schmalspurnetze in der Spurweite von 760 mm. Fast alles davon ist Geschichte, bis auf die Schmalspurbahn von Septemvri nach Dobriniste (Dobrinischte), wo man noch heute so etwas wie eine Fernreise auf bosnischer Spur erleben kann. Die Rhodopenbahn wurde erst zwischen 1921 und 1945 erbaut und wird von der Staatsbahn BDŽ betrieben. Auf den 125 km befinden sich 38 Tunnel, Kehrschleifen und Steigungen von bis zu 33 Promille, um einen Höhenunterschied von über 1.000 Metern zu überwinden. Auf der Basis der sächsischen VIIK entwickelte die BMAG (vormals Schwartzkopff) eine verstärkte Version mit verlängertem Achsstand für die Rhodopenbahn. Fünf von bestellten 15 Maschinen wurden 1941 an die BDŽ geliefert, die sie auf ihren Strecken Septemvri – Dobroniste und Varvara – Pazardjik einsetzte. Weitere Lieferungen verhinderte der Krieg und so war es Fablok in Chrzanów (Krenau) in Polen, die 1949 und 1950 die benötigten restlichen Lokomotiven lieferten. Eine davon, 60976, ist betriebsfähig und wird unseren Sonderzug bespannen.

Dampf in Bulgarien

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Die Bahn bietet zahlreiche schöne Fotomotive und Formsignale. Die oft parallel führende Straße wurde aber in einigen Teilen saniert und mit Leitplanken versehen, womit einige Fotomotive nicht mehr interessant sind. Der Anstieg zum höchstgelegenen Bahnhof der Staatssbahn, Avramovo mit 1267 m über dem Meer, wird mit mehreren Kehrschleifen bewältigt. Hier werden wir mit Dieselvorspann fahren müssen, da die Strecke aber in diesem Abschnitt ohnehin durch dichten Wald führt, entgehen uns keine Fotomotive.

Auf der Strecke stehen heute 1.300 PS starke Dieselloks vor den wenigen Personenzügen im Einsatz und es wundert den Beobachter, dass die BDŽ noch immer an dieser Strecke festhält.

Radomir – Kjustendil – Gjueshevo

Von Radomir bis Zemen gibt es nicht viel zu fotografieren, aber dann biegt die Bahn in eine sehenswerte Schlucht ein. Leider ist hier das Vegetationsproblem nicht zu unterschätzen. Zudem kommt, dass viele der sehr guten Fotostellen extrem eng sind, und sich unsere Gruppe wie am Lion’s Mouth in Sri Lanka arrangieren muss. Hinter Kjustendil steigt die Strecke dann in einigen S-Kurven bergan. Hier wollen wir den Sonnenaufgang fotografieren. Dann geht es ins unfotografierbare Dickicht, das erst einige Kilometer vor Gjueshevo (Gjueschewo) wieder verlassen wird. Dort ergeben sich dann erneut einige schöne Fotomöglichkeiten.

Wir setzen auf dieser Strecke, nicht weit von ihrem früheren Haupteinsatzgebiet Sofia – Pernik die wunderbare 46.03 ein. Es handelt sich um eine sehr erfolgreiche 1’F2’ h2t von Cegielski in Poznan (203/1936). 12 Maschinen dieser Serie wurden als Zweizylinderloks von Cegielski gebaut, weitere acht als Dreizylinderlokomotiven von der BMAG (Schwartzkopff; 46.13 - 20 Fabrik-Nr. 11794 bis 11801). Diese Tausendfüßler waren höchst eindrucksvolle Maschinen, und ich bin mir sicher, 46.03 wird uns auf der Bergfahrt begeistern. Über Nacht wird die Maschine über Sofia nach Norden verlegt, so dass sie am nächsten Tag wieder für uns zur Verfügung steht.

Kalotina – Stanintzi

Diese Strecke ist eine Minenbahn, auf der relativ dichter Verkehr herrscht. Die Strecke ist anspruchsvoll, zu großen Teilen überwuchert aber dennoch sehr sehenswert. Es gibt einige sehr schöne Motive, die wir mit der großen Tenderlok der Reihe 46 umsetzen wollen. Wir werden die Strecke voraussichtlich zwei Mal befahren, ein Mal am Morgen und ein Mal am Nachmittag.

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Anmerkungen

Die Bulgarischen Staatsbahnen sind – ganz vorsichtig ausgedrückt – ein äußerst schwieriger Verhandlungspartner für Sonderzüge derart, wie wir sie haben wollen. Solche Sonderzüge will dort niemand, weil bei den ständigen Umstrukturierungen Fehler zu machen den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten könnte. Nur dem, der nichts macht, unterlaufen auch keine Fehler. Also macht man lieber gar nichts. Die Zuständigkeiten wechseln sowieso im Quartalsrhythmus: warum sich mit etwas befassen, für das man in absehbarer Zeit nicht mehr zuständig ist? Lieber verschwendet man seine Energie darauf, Gründe zu finden, warum etwas nicht geht. Man erfindet ein paar Probleme, man rückt keine Preise heraus und wenn, dann erhöht man diese ohnehin absurd hohen Preise sehr kräftig kurz vor dem Reisebeginn. Dass man einen Vertrag teilweise erst wenige Tage vor der Reise bekommt, öffnet diesem Verfahren Tür und Tor. Und damit ist die Ankündigung einer Reise nach Bulgarien immer ein Risiko, das man mit gesundem Menschenverstand eigentlich nicht eingehen sollte. Ich habe aus diesem Grunde bislang die bestehenden Planungen schon zwei Mal abgebrochen. Nun aber gibt es diesen Tausendfüßler, dieses Monster: 46.03 … Und so siegt Unvernunft über Verstand und ich veröffentliche eine Reise, über die das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Und im Diskutieren sind die bulgarischen Eisenbahner Weltspitze. Diese endlos erscheinende Diskussionsfreudigkeit über jedes Detail kann nur mit bunt bedruckten Scheinen etwas gelindert werden, und deswegen ist der geschätzte Beitrag für Trinkgelder auch ziemlich fettig. Dann funktionieren aber auch Dinge, die eine Minute vorher unter keinen Umständen auch nur denkbar gewesen wären. Das Totschlagargument Sicherheit ist auch in Bulgarien bekannt, damit kann man alles unmöglich machen, denn nur ein Zug, der sich nicht bewegt, ist wirklich sicher.

Dampf in Bulgarien

Dies vorweg, damit man den obligatorischen Abschnitt, dass man nach dem Ende der Dampftraktion immer mit Ausfällen rechnen muss, in diesem Falle ganz besonders ernst nimmt. Wir fahren volles Risiko, gebuchte Flüge können nicht kostenneutral storniert werden; wie es mit gebuchtem Urlaub aussieht, weiß jeder selbst am besten. Gezahltes Geld sollte es in diesem Falle allerdings zumindest zu größeren Teilen wieder geben, denn wir befinden uns ja in der verbraucherfreundlichen EU.

Die Bahnstrecken in Bulgarien sind oft mit Büschen und Gestrüpp zugewachsen, manche mögliche Fotopositionen fallen damit aus. An anderen Stellen ist es sehr schwierig, eine größere Gruppe zu positionieren. Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man eine Säge zur Hand hat, um das, was die Bahnmeisterei versäumt hat, nachzuholen. Wir reisen aber vor der Vegetationsphase, es wird zwar schon grün sein, aber noch nicht völlig zugewachsen.

Verspätungen können immer und unerwartet auftreten, garantieren kann man lediglich die Zeiten von Sonnenauf- und Untergang (am 31.3. in Sofia: 07.11 und 19.52 Uhr).

Dampf in Bulgarien

Die Dampfloks müssen in regelmäßigen Abschnitten mit Wasser versorgt werden. Dies stellt für die Staatsbahn regelmäßig eine logistische Herausforderung dar und nimmt teilweise viel Zeit in Anspruch. Man sollte akzeptieren, dass man einfachste Dinge zum Problem werden lässt, ein Smartphone kann jeder bedienen, aber einen Eimer Wasser irgendwo reinzuschütten, überfordert heutzutage viele Zeitgenossen.

Bulgarien ist ein Land der EU und des Schengen-Raumes, zur Einreise reicht also der Personalausweis. Das Land ist sicher, die gewöhnlichen Regeln sollte man trotzdem nicht außer Acht lassen.

In Bulgarien bedeutet übrigens ein Kopfschütteln „ja“, während ein Kopfnicken mit „nein“ zu interpretieren ist.

Mahlzeiten werden verschiedentlich nur aus abgepacktem Essen bestehen, weil wir die uns zur Verfügung stehende Zeit gut ausnutzen wollen. Feste Essenszeiten sind nicht vorgesehen und unter bestimmten Umständen kann es sogar zum Ausfall einer Mahlzeit kommen.

Bulgarien verlangt den Nachweis einer vom Land anerkannten Auslandskrankenversicherung.

Die drei Lokomotiven, die wir auf unserer Fahrt einsetzen wollen, sind allesamt Einzelstücke. Es gibt im Falle eines Schadens keinen Ersatz. Auf der Schmalspurbahn muss bei einem Lokschaden das Programm ausfallen, auf den Normalspurstrecken können wir eine schadhafte Lok ersetzen. Aber die größte Gefahr geht diesmal nicht von den Lokomotiven aus, sondern vom unberechenbaren Verhalten der Staatsbahn und seiner Diener. Aus der Erfahrung heraus muss man befürchten, dass die Staatsbahn die Preise wenige Tage vor der Reise drastisch anhebt. Daher sind eine Absage der Reise oder eine Nachschussforderung nicht auszuschließen. Gegen dieses „Risiko BDŽ“ ist kein Kraut gewachsen, und jeder, der die Reise bucht, sollte sich dieser Gefahr bewusst sein. Sollte die Reise deswegen kurzfristig abgesagt werden müssen, können lediglich alle eingezahlten Gelder zurückgezahlt werden, weitergehende Ansprüche entstehen jedoch nicht. Programmänderungen sind jederzeit möglich.

Wir übernachten überwiegend in Mittelklassehotels, die durchaus aber Probleme haben können westlichen Mittelklassestandard zu bieten. Bitte beachten Sie, dass die Hotels, Busse, Züge, eigentlich alles, was uns begegnen wird, keinesfalls westeuropäischen Standards entsprechen müssen. Deshalb reisen wir ja gerade dorthin. Wir werden in ein Land reisen, in dem Umwelt- und Unfallschutz noch unterentwickelt sind. Es sei ausdrücklich auf die Gefahren hingewiesen, die durch die Benutzung und den Aufenthalt in der Nähe der Eisenbahnen entstehen können. Der Abschluss einer Auslands-Unfallversicherung wird empfohlen. Weder FarRail Tours noch der Veranstalter vor Ort oder die Eisenbahn haften bei Unfällen jeglicher Art, Schäden, Verlusten, Nachteilen aus Verspätungen, Programmänderungen, Absagen etc.

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Preis

Bulgarien
1'F2' und 42 - Große Dampflokomotiven vor Güterzügen 44 bis 50 Teilnehmer 2.620 Euro
25.03.2017 – 02.04.2017 35 bis 43 Teilnehmer 2.820 Euro
  Einzelzimmerzuschlag 260 Euro
Anmeldeschluss: 02.02.2017

Der Preis umfasst:

Nicht enthalten sind:

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